aktiv&jung 01|2020
Meistens passiert es im Sommer. Wenn die Sonne die Temperatu- ren in die Höhe treibt, dann steht Sebastian Kneipp wieder hoch im Kurs. Oder zumindest die Kneipp- Anlage, benannt nach dem Pfarrer aus Schwaben. Wassertreten, Güsse, Bäder: Das Kernstück der Kneipp- therapie sind Wasseranwendungen. Über 650 dieser Einrichtungen gibt es hier in Deutschland. An Bächen, in Parks und Wäldern laden sie zum Wassertreten ein – eine Art begeh- bares Kneipp-Denkmal mit Erlebnis- Charakter. Erwachsene wie Kinder tauchen ihre nackten Beine ins erfri- schende Nass. Kneipps Lehre verbindet fünf Elemente: Hydrotherapie mit Wassergüssen, ge- sunde Ernährung, die Verwendung von Kräutern, Bewegung und innere Harmo- nie. Elemente, die sich ganz einfach und unkompliziert in unseren Alltag integrie- ren lassen, die Körper, Seele und Geist mit neuen Kräften versorgen und uns Schwung für die Zukunft geben. Die uns stark machen für das Leben. Kneippen ist übrigens ganz einfach. Wahrschein- lich tun Sie es ja längst. Oder sind Sie noch nie über eine Wiese spaziert und haben Ihre Füße in einen eiskalten Bach getaucht? Therapieren, nicht traktieren Das Anwendungsgebiet der Kneipp- Medizin ist weit gefächert: von Herz- Kreislauf-Problemen über Atem- wegserkrankungen, Schlaf- oder Stoffwechselstörungen bis hin zu Rheu- ma oder Rückenschmerzen. Sie dient dabei nicht als alleinige Therapie, son- dern als Unterstützung und zur Linde- rung der Symptome. Wer den ganzheit- lichen Ansatz der Kneipp-Medizin unter ärztlicher Aufsicht kennenlernen möch- te, sollte eine Kneipp-Kur machen. Da- für sollte man allerdings mindestens drei Wochen Zeit einplanen. So lange dauert es, bis das individuell abgestimmte Kur- Programm seine Wirkung zeigt – und bis kalte Güsse, Wechselduschen, Tautreten oder Teilbäder zur alltäglichen Gewohn- heit werden. GESUNDHEITSTIPPS KNEIPPS ganzheitliches Konzept Heilen mit der Kraft der Natur, das versprechen heute viele Verfahren. Als Ursprung der modernen Naturheilkunde gilt jedoch das ganzheitliche Konzept von Pfarrer Sebastian Kneipp. SO KNEIPPEN SIE RICHTIG • Kalte Wasseranwen- dungen dürfen Sie nicht machen, wenn Sie frieren. Im Sommer deshalb Zugluft vermeiden! • Nach kalten Güssen sollten Sie nicht frösteln: rasch wieder erwärmen – beispielsweise durch Bewegung. • Auch für kleine Anwendungen gilt: bei Vorerkrankungen erst den Arzt fragen! • Nicht kneippen bei offenen Wunden oder arterieller Verschlusskrankheit. • Empfehlenswert: Zwischen den ein- zelnen Anwendungen sollten Sie einen Zeitabstand von etwa zwei Stunden einhalten. Sebastian Kneipp, der Pfar- rer aus Bad Wörishofen, erkannte schon vor 200 Jahren, was es braucht, um die Ressourcen aufzufrischen und die Widerstands- kraft zu stärken. Seine ganzheitliche Naturheillehre hat bis nichts von ihrer Aktualität verloren. Im Gegenteil: Sie passt hervorragend zu den Erfordernissen des 21. Jahrhundert. Bildnachweis: © Matthias Weissengruber aktiv & jung 1|2020 19
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